[Projekt: Leben]

Günter Schmatzberger // www.schmatzberger.com

[Projekt: Leben] - Der Podcast für alle, die noch was vor haben im Leben. Hier lernst du, deine "Personal Projects" clever zu managen, sodass du all die Dinge verwirklichen kannst, die dir wirklich wichtig sind - und damit zu einem erfüllten Leben findest. Von und mit: Günter Schmatzberger // www.schmatzberger.com

  1. EPISODE 1

    S09E01: Dunkle und düstere Projekte (#87)

    Worum geht’s in dieser Folge? Willkommen zur ersten Folge der neunten Staffel von [Projekt: Leben]! In dieser neuen Staffel möchte ich mich mit einer besonderen Gruppe von Personal Projects beschäftigen, nämlich unseren dunklen und düsteren Projekten. Dunkle und düstere Projekte… Was meine ich damit? Naja, ich habe dafür keine genaue Definition, aber ich verstehe darunter alle Personal Projects, die irgendwie im Schatten oder Halbschatten unseres Lebens leben. Es sind Projekte, die meist hinter dem Vorhang bleiben, über die wir nicht reden, von denen wir nicht wollen, dass andere von ihnen wissen.  Und genau über solche Projekte soll es in dieser Staffel gehen. Ich will sie für die kommenden zwölf Folgen vor den Vorhang holen und mit dem Scheinwerfer der Personal Projects Theorie die dunklen und düsteren Ecken unseres Personal Projects Systems ausleuchten.  Und dazu, liebe Hörerin, lieber Hörer, heiße ich euch herzlich willkommen!  In dieser Folge möchte ich mal einen Blick darauf werfen, warum manche unserer Personal Projects eben solche dunkle und düstere Projekte sind. Mit anderen Worten: Was macht ein Personal Projects eigentlich dunkel und düster?  1. Möglichkeit: Wir kennen sie gar nichtJa, ich behaupte, es gibt eine wahrscheinlich gar nicht so kleine Zahl an Personal Projects, von denen wir gar nicht wissen, dass wir sie haben. Wir kennen sie gar nicht. Ich glaube sogar: Die wichtigsten Projekte in unserem Leben haben wir gar nicht auf unserer Agenda!  Warum glaube ich das? Weil, und davon bin ich fest überzeugt, weil uns in der Regel nicht bewusst ist, was uns antreibt. Es geht also um das wirkliche Projekt hinter einem vordergründigen Personal Project.  Ein Beispiel: Wenn wir uns die Biographien von vielen erfolgreichen Pop- und Rockstars anschauen, dann kommen wir ziemlich bald darauf, dass die was gemeinsam haben: Ja, das sind lauter Menschen, die großes musikalisches Talent haben, klar. Aber da ist noch was: Die allermeisten hatten in ihrer Kindheit ein ganz schwieriges Verhältnis zu ihrem Vater. Bruce Springsteen ist da ein Paradebeispiel, Phil Collins wäre ein anderes. Wenn wir also fragen: Was ist denn deren Personal Project? Dann gibt es natürlich das öffentliche Personal Project „Musik machen”, weil das lauter musikalisch talentierte Menschen sind. Aber auf der Hinterbühne, im dunklen und düsteren Bereich, da spielt sich das viel wichtigere Projekt ab, nämlich das Projekt hinter dem Projekt. Und das heißt „Meinem Vater zeigen, dass ich doch kein Versager bin” oder so ähnlich. Ich weiß nicht mehr, wer es war, der gesagt hat, dass er bei einem Konzert vor tausenden Menschen in Wirklichkeit immer nur für eine einzige Person spielt, nämlich seinen Vater. Und das selbst dann noch, wenn dieser schon lange tot ist.  2. Möglichkeit: Wir reden nicht über siePersonal Projects werden dann dunkel und düster, wenn wir sie nie ans Tageslicht bringen, weil wir anderen Menschen einfach nicht davon erzählen. Das kann sein weil:  sie uns unangenehm sind wir Scham oder Schuld für sie empfinden sie uns verletzlich machen wir uns keine Blöße geben wollen, weil wir keine Schwäche zeigen wollen wir andere Menschen nicht beunruhigen wollen sie unserem Image widersprechen oder sogar schaden könnten wir keine Aufmerksamkeit auf das Projekt lenken möchten, weil wir mit dem Projekt allein bleiben wollen. Ein Beispiel für so ein Projekt wäre z.B. eine Krankheit, die wir für uns behalten - aus welchem Grund auch immer. Ein sehr herausforderndes dunkles Personal Project.  Oder ein anderes Beispiel: Affären. Fremdgehen. Ausgesprochen aufwendige Personal Projects, die viel Energie kosten und einen wahnsinnigen organisatorischen und logistischen Aufwand bedeuten können. Da ist auch meistens das Ziel, dass dieses Projekt so lange wie möglich, idealerweise für immer, im Dunkeln bleibt.  Oder die allermeisten Fälle von Sucht sind auch solche Projekte. Eine Sucht ist ein extrem forderndes Personal Project, aber auch hier ist zumeist das Ziel, die Sucht so lange wie möglich unter Verschluss zu halten - auch wenn den Menschen im Umfeld vielleicht längst klar ist, was los ist.  3. Möglichkeit, die ein Projekt zu einem dunklen und düsteren macht: Wir dürfen nicht über das Projekt redenUnd zwar deswegen, weil diese Projekte entweder moralisch verwerflich sind oder gesellschaftlich sanktioniert, z.B. durch gesetzliche Verbote. Wer einen Bankraub oder ein Attentat plant, der hat automatisch ein dunkles und düsteres Projekt. Weil es zum Projekterfolg dazu gehört, dass es dunkel und düster bleibt.   Dieses Phänomen ist auch die Grundzutat für so manchen Film oder so manche Krimiserie über geniale Mörder, die das perfekte Verbrechen begangen haben. Ist der Mörder dann auch noch ein bisschen ein Narzisst, dann ist er in einem Dilemma: Den perfekten Mord zu begehen, das ist ein unglaublich komplexes und aufwendiges Personal Project.   Der Mörder ist auf dieses Personal Project vielleicht sogar sehr stolz - nur darf er niemandem davon erzählen! Also wird der Mörder ein bisschen dreist, ein bisschen unvorsichtig, weil er zwar nicht entdeckt werden will, sich aber dennoch nach Anerkennung sehnt. Und genau diese Zwickmühle ist die Grundlage von ganz, ganz vielen Columbo-Folgen.  Ich möchte in dieser neunten Staffel von [Projekt: Leben] also über Projekte  reden, die im Dunkeln sind, die nicht klar erkennbar sind, die nicht gerne besprochen werden. Diese Staffel ist eine Annäherung an ein schwieriges Thema. Aber ich finde diesen Versuch wichtig, weil gerade diese dunklen und düsteren Projekte einen enorm hohen Stellenwert in unserem Leben haben - ob wir das wollen oder nicht, und ob uns das bewusst ist oder nicht.  Ludwig Wittgenstein hat gesagt: „Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.” Ich finde, im Fall unserer dunklen und düsteren Projekte gilt genau das Gegenteil: Je mehr Licht wir in dieses Dunkel bringen können, desto besser.   Ich will  in dieser Staffel den dunklen und düsteren Projekten in unserem Leben eine Stimme verleihen. Und wenn du mich bei diesem Experiment begleiten möchtest, dann heiße ich dich ganz herzlich willkommen in dieser neunten Staffeln von [Projekt: Leben].

    10 min
  2. EPISODE 2

    S09E02: Die Inneren Dämonen kennenlernen (#88)

    Worum geht’s in dieser Folge? In dieser neunten Staffel von [Projekt: Leben] spreche ich ja über eine  besonderen Gruppe von Personal Projects beschäftigen, nämlich über unsere dunklen und düsteren Projekte.  Und in dieser zweiten Episode der neunten Staffel geht es um unsere Inneren Dämonen.  Ja, unsere Inneren Dämonen… Was meine ich damit eigentlich?  Ich glaube, dass jeder von euch, der mir da gerade zuhört, bestimmt ein Gefühl dafür hat, was ich damit meinen könnte. Und gleichzeitig ist es gar nicht so einfach, die Inneren Dämonen klar zu definieren und in generelle Worte zu fassen.  Ich würde daher mal so sagen: Die Inneren Dämonen sind in unseren Personal Projects dann am Werk, wenn wir Dinge tun oder sagen, wo wir uns eigentlich denken: "Nein, so will ich nicht sein. Das will ich eigentlich gar nicht tun, so will ich eigentlich gar nicht reden." Und dennoch tun wir es, immer und immer wieder, weil wir nicht aus unserer Haut raus können und weil uns unsere Inneren Dämonen unser Leben lang begleiten.  Deswegen halte ich es für ein ganz wichtiges Personal Project - ein Self Project, wenn man es genau nimmt -, dass wir unsere Inneren Dämonen so gut wie möglich kennenlernen. Wir sollten wissen wollen, mit wem wir es da eigentlich zu tun haben in den Momenten, wo wir nicht gerade stolz auf uns sind. Was sind denn die Situationen, wo wir immer in die Falle tappen? Was sind denn die Auslöser, die Trigger, die unsere schlechtere Hälfte zum Vorschein bringen?  Interessanterweise gibt es viele Geschichten und Romane, wo es immer wieder um die Auseinandersetzung mit den Inneren Dämonen geht. Ein berühmtes Beispiel wäre „Der seltsame Fall von Dr. Jekyll und Mr. Hyde” von Robert Louis Stevenson, wo ja der an sich sehr ehrenwerte Dr. Jekyll ein Opfer seines Inneren Dämonen, nämlich Mr. Hyde, wird.  Ein anderes Beispiel wäre die Geschichte vom Phantom der Oper. Die Geschichte finde ich überhaupt ganz besonders spannend in Hinblick auf Personal Projects mit Inneren Dämonen. Vielleicht hast du ja auch das Musical oder eine Verfilmung dazu gesehen - oder gar das Buch gelesen - wenn nicht, hier kurz, worum es geht:  Da ist dieses Mädchen Christine, eine Sängerin in der Oper. Sie ist die Hauptperson. Und dann ist da dieses Phantom der Oper, eine geheimnisvolle Gestalt, die in den Katakomben der Oper haust. Während Christine also auf der Bühne des Opernhauses auftritt, geistert das Phantom quasi auf der Hinterbühne herum.   Das Interessante bei der Geschichte ist die Beziehung zwischen Christine und dem Phantom. Im Musical ist das sowas wie eine dysfunktionale Liebesbeziehung, aber man kann das auch ganz anders interpretieren: Das Opernhaus, das steht für unser Leben. Christine ist das Symbol für unsere öffentliche Persönlichkeit, für das Bild von uns, das nach außen wirkt und täglich auf der Bühne steht. Und das Phantom steht für Christines dunkle Persönlichkeitsanteile, für das Düstere in ihrem Leben. Christine und das Phantom sind also im Grunde ein und derselbe Mensch, die gehören zusammen.   Christine sagt ja auch, dass das Phantom ihr Lehrer sei, der sie zu einer so guten Sängerin gemacht hat. Auch das ist symbolisch zu verstehen: Unsere Inneren Dämonen sind es sehr häufig, die uns zu Höchstleistungen antreiben und die auch dafür sorgen, dass wir in Beruf und Karriere Erfolg haben. Unser Antrieb kommt ganz, ganz häufig aus eher dunklen Quellen, aus Kränkungen, aus Verletzungen, aus einem Gefühl des mangelnden Selbstwertes und so weiter.   Und dann kommt noch was dazu: Das Phantom trägt eine Maske. Eigentlich ist das Gesicht des Phantoms entstellt, es ist hässlich, aber durch die Maske sieht Christine das nicht. So geht es uns auch oft: Wir erkennen unsere Inneren Dämonen oft gar nicht, wenn wir nicht hinter die Maske sehen und deren hässliches Gesicht erkennen. Unsere Inneren Dämonen verstecken sich häufig hinter vermeintlich ehrenwerten Projekten. Das Problem dabei ist halt nur, dass der Antrieb hinter diesen Projekten eben dunkel und düster bleibt, egal, welche Maske wir ihnen aufsetzen.  Die Geschichte endet im Grunde damit, dass das Phantom das Opernhaus in Brand setzt und zerstört. Wiederum symbolisch interpretiert: Wenn wir nicht aufpassen, wenn wir unsere Inneren Dämonen nicht im Zaum halten können, dann können sie unser Leben zerstören. Und dass das keine Übertreibung ist, kann jeder nachvollziehen, der Bekanntschaft gemacht hat mit Inneren Dämonen wie Sucht, Depression oder übersteigertem Ehrgeiz.  Ich glaube, ich verrate kein großes Geheimnis, wenn ich sage, dass die Auseinandersetzung mit unseren Inneren Dämonen eines der herausforderndsten Selbstprojekte unseres ganzen Lebens ist. Denn eines kannst du mir glauben: Jeder von uns hat seine oder ihre Inneren Dämonen - und wenn du glaubst, du hast keine, dann hast du einfach noch nicht gut genug in den Katakomben deines Lebens nachgesehen. Nur weil du deine Inneren Dämonen nicht kennst, heißt das nicht, dass du keine hast.  Wie sollen wir jetzt mit unseren Inneren Dämonen umgehen? Wie können wir ihnen überhaupt einmal auf die Spur kommen?  Ich kann euch sagen, wie ich es gemacht habe. Ich kenne einiger meiner Inneren Dämonen, und ich muss sagen, schön sind sie nicht. Aber ich kenne sie, und damit kann ich auch Schritt für Schritt lernen, besser mit ihnen umzugehen. Für mich hat sehr gut funktioniert, meinen Inneren Dämonen ein menschliches Gesicht zu geben. Sie tatsächlich zu Personen zu machen - genauso, wie es ja auch in den Geschichten von Mr. Hyde und dem Phantom der Oper geschehen ist. Den Inneren Dämonen ein Aussehen zu geben, vielleicht einen Namen, einen Charakter… und versuchen, sie immer besser kennenzulernen, wann immer du ihnen begegnest. Mit der Zeit kommst du vielleicht so wie ich drauf, dass ein so ein Dämon verlässlich immer dann daher kommt, wenn du nicht ausgeschlafen bist. Ein hässlicher, sehr grober Zeitgenosse, der aber relativ gut berechenbar ist, wenn du ihn nur gut genug beobachtet hast.   In diesem dunklen und düsteren Personal Project „Deine Inneren Dämonen kennenlernen” geht es also darum zu versuchen, die Hinterbühne deines Lebens auszuleuchten und mal genauer hinzusehen, was da so kreucht und fleucht. Kann gut sein, dass das nicht alles angenehm ist, was du da zu sehen bekommst. Dann geht es darum, dich mit deinen Inneren Dämonen irgendwie zu arrangieren - quasi, mit ihnen zu tanzen. Zu versuchen, mit ihnen weitestgehend auszukommen, denn los werden tut man sie nur ganz, ganz schwer. Ziel dieses Personal Projects wäre zu versuchen, deine Inneren Dämonen so gut zu kennen und sie zumindest so weit im Zaum zu halten, dass sie dir das Opernhaus deines Lebens nicht in Brand setzen - wenn nötig mit Coaches, Beratern oder Therapeuten, die dich in einem solchen herausfordernden Projekt begleiten und unterstützen können.   Also: Nimm deinen Mut zusammen, gib deinen Inneren Dämonen ein Gesicht, schau ihnen in die Augen und reiß ihnen die Maske runter - auch wenn’s weh tut.  Für dieses überaus schwierige, dunkle und düstere Personal Project wünsche ich dir von Herzen viel Erfolg!

    11 min
  3. EPISODE 3

    S09E03: Selbstsabotage-Projekte (#89)

    Worum geht’s in dieser Folge? Wir sind ja in der Staffel über unsere „dunklen und düsteren Projekte”, und heute möchte ich über unsere Selbstsabotage-Projekte sprechen. Ja, ich behaupte, wir alle haben Personal Projects, deren Sinn und Zweck es einzig und allein ist, uns selbst zu sabotieren. Wenn das mal keine dunklen und düsteren Projekte sind... Diese Selbstsabotage-Projekte sind oft auf den ersten Blick gar nicht so leicht zu erkennen, weil sie oft im Gewand eines recht vernünftig scheinenden Projektes daherkommen. Es ist also gar nicht so leicht ein Selbstsabotage-Projekt zu beenden, weil man zuerst überhaupt mal dahinter kommen muss, dass ein Personal Project in Wirklichkeit ein Selbstsabotage-Projekt ist.   Diese Selbstsabotage-Projekte kommen in vielfältigen Masken und Verkleidungen daher. Ich möchte in dieser Folge mal drei dieser möglichen Verkleidungen vorstellen, damit ihr so ein bisschen ein Gespür dafür bekommt, welche Formen diese Selbstsabotage-Projekte annehmen können.  1. Kurzfristige Schmerzvermeidungsprojekte Wer kennt diese Projekte nicht? Um kurzfristig Schmerzen oder unangenehme Gefühle zu vermeiden, fügen wir uns langfristigen Schaden zu.   Klassisches Beispiel: Wir gehen nicht zum Zahnarzt, weil wir Angst haben, dass er uns weh tut. Wir glauben… Ja, was glauben wir eigentlich? Wahrscheinlich so etwas wie, dass ein Wunder passiert und ausgerechnet bei uns die Zahnschmerzen irgendwie von selbst besser werden. Oder nehmen wir den unangenehmen Anruf bei einem Kunden oder einer Verwandten her. Wir verschieben diesen Anruf lieber auf morgen, weil… Ja, warum eigentlich? Weil wir glauben, dass morgen auf einmal die Situation weniger unangenehm ist? Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass je länger wir den Anruf verschieben, die Situation immer unangenehmer wird?  Handeln wir also in Wirklichkeit nicht völlig gegen unsere Interessen, wenn wir kurzfristigen Schmerz vermeiden, aber dafür in Kauf nehmen, dass wir langfristig viel länger darunter leiden?  Die Selbstsabotage dabei ist nämlich genau, das wir bei diesen Projekten im Grunde völlig gegen unsere eigentlichen Interessen handeln. Es ist nicht in unserem Interesse, dass wir am nächsten Tag nicht ausgeschlafen sind - und dennoch binge-watchen wir bis nach Mitternacht.   Garrett Gunderson hat das mal so beschrieben: Es gibt „hard-easy-Projekte” und „easy-hard-Projekte”. Easy-hard-Projekte, das ist eben z.B., wenn wir ein unangenehmes Gespräch auf später verschieben. Das ist kurzfristig easy, aber langfristig machen wir und das Leben damit nur hard und harder.   Hard-easy-Projekte wären hingegen genau das Gegenteil und das, was eigentlich in unserem Interesse läge: Kurzfristig mag es zwar hard sein, aber langfristig machen wir uns unser Leben damit easy. Und genau diese hard-easy-Projekte sollten wir bewusst wählen, weil easy-hard immer Selbstsabotage ist.    2. Oberlimit-Projekte  Die Idee der Oberlimit-Probleme bzw. upper limit challenges, wie es im Original heißt, kommt von Gay Hendricks und seinem Buch „Lebe dein Leben, bevor es andere für dich tun”.  Er beschreibt darin folgendes Phänomen, das er in seinem Leben immer und immer wieder beobachtet hat: In seinem Leben gab es Phasen, in denen es ihm wirklich gut gegangen ist, in denen er sich wirklich wohl gefühlt hat … bis er etwas getan hat, wodurch er alles vermasselt hat. Alles war gut, bis er begonnen hat, es selbst zu zerstören.  Ein Beispiel: Stell dir vor, du sitzt im Frühling im Park, dir scheint die Sonne ins Gesicht, die Vögel zwitschern, alles ist ruhig und friedlich und du fühlst dich rundum wohl. Doch plötzlich, wie aus dem Nichts… fängt in dir eine Stimme an zu reden. Und diese Stimme sagt so etwas wie: „Ja, du fühlst dich gerade ziemlich wohl, was? Aber denk doch mal an morgen. Da musst du wieder in die Arbeit gehen, da ist dann wieder der Kollege, der dich so nervt. Und am Abend dann der Besuch von deiner Tante, das wird auch nicht gerade leiwand.” Und so weiter, und so fort. In Sekundenschnelle hast du das gute Gefühl durch deine Innere Stimme vollkommen zerstört - völlig ohne Not, völlig ohne Grund.  Gay Hendricks sagt, es scheint so zu sein, dass wir für unser Wohlbefinden nur eine gewisse Toleranzgrenze haben. Sobald das Maß voll ist, also das obere Limit erreicht ist, fabrizieren wir Gedanken, durch die wir uns schlecht fühlen und die das Wohlbefinden wieder nach unten regeln. Ein klarer Fall von Selbstsabotage, weil wer außer uns selbst sabotiert in diesem Moment unser Wohlbefinden?  Oberlimit-Probleme stecken manchmal auch hinter Verletzungen und Krankheit: Wenn die Dinge gut für uns laufen, werden wir krank, oder wir ziehen uns eine Verletzung zu. Auch das kann Selbstsabotage sein, damit es uns nicht zu gut geht. Wie gesagt: KANN sein, natürlich haben Krankheiten und Verletzungen auch noch andere Ursachen.  Spannende Sache, diese Oberlimit-Projekte. Wenn man erst mal die Augen für sie geöffnet hat, wirst du sie wahrscheinlich an allen dunklen und düsteren Ecken deines Lebens finden.   3. Massive Selbstsabotage-Projekte Es gibt manche Personal Projects, mit denen sabotieren wir uns so massiv selbst, dass man sich eigentlich nur über sich selbst wundern kann. Wir tun uns Dinge an, von denen wir bei klarem Verstand sagen müssten: Nein, niemals! Und doch stürzen wir uns kopfüber in diese Projekte. Wir werden zu unseren eigenen größten Feinden.  Ein Beispiel von unzähligen wäre Bill Clinton. Der wird US-Präsident, ist am Ziel seiner Träume angekommen, nach langjähriger harter Arbeit, nach vielen Entbehrungen und nach unzähligen Stunden, die er für dieses Personal Project investiert hat. Und was macht er? Er beginnt eine Affäre mit einer Praktikantin. Wenn das kein massives Selbstsabotage-Projekt ist. Hat er wirklich gedacht, das bleibt geheim? War er wirklich so naiv zu denken, er kommt damit durch? Ich glaube nicht. Ich glaube, aus irgendeinem Grund war es ihm ein Bedürfnis, seinen Erfolg und damit sich selbst zu sabotieren - auch wenn das von außen sehr schwer zu verstehen ist.  Oder denk an die vielen, vielen, vielen Popstars, Filmstars und Sportstars, die mit ihrem Erfolg nicht zurecht kommen.  Zu Zeiten ihres größten Erfolges starten sie oft massive Selbstsabotage-Projekte, die im schlimmsten Fall sogar in der Selbstzerstörung enden. Diese dunklen und düsteren Projekte sind von außen nur schwer zu begreifen, und doch machen sie für denjenigen oder diejenige irgendwie Sinn - so verrückt das auch klingen mag.  Aber das liegt eben in der Natur der dunklen und düsteren Projekte, und ganz speziell der Selbstsabotage-Projekte: Rein aus der Perspektive der Vernunft sind sie nicht zu verstehen. Und doch gibt es sie, und es gibt sie in großer, großer Zahl. Umso wichtiger finde ich, dass wir unsere Selbstsabotage-Projekte erkennen, sie aus den dunklen Ecken ans Licht zerren und erkennen, wenn wir mit unseren eigenen Personal Projects Schaden in unserem Leben anrichten.

    12 min
  4. EPISODE 4

    S09E04: Projekte, die wir hassen (#90)

    Worum geht’s in dieser Folge? In dieser Folge geht es um Personal Projects, die wir hassen. Also Projekte, die uns zum Hals raus hängen, bei denen uns die Grausbirn aufsteigt, wie wir Österreicher sagen, wo sich dieses Gefühl der Übelkeit im Bauch breitmacht, wenn wir auch nur an sie denken. Ich denke, jeder von uns hat solche Projekte, wahrscheinlich zu unterschiedlichen Zeiten im Leben unterschiedlich viele. Und was das genau für Projekte sind, das ist natürlich auch bei jedem Menschen ganz anders. Und trotzdem gibt es Muster für solche Projekte. Der Hass hat sozusagen ein paar Voraussetzungen, die universell sind, die sich durch alle Hassprojekte durchziehen, egal wie unterschiedlich sie auch aussehen mögen.  Und diese Voraussetzungen, die dafür sorgen, dass wir manche unserer Personal Projects zu hassen beginnen, will ich euch jetzt vorstellen.  Vorab vielleicht: Was ich heute sage, basiert wie so Vieles in diesem Podcast auf den Forschungen von Dr. Brian Little.  Was ich heute sage, ist also auch wissenschaftlich belegt und gut erforscht.  Brian Little hat herausgefunden, dass es drei Kriterien dafür gibt, die dafür sorgen, dass wir mit einem Personal Project mehr oder weniger glücklich oder unglücklich werden. Und diese drei Kriterien möchte ich mir eines nach dem anderen genauer ansehen. 1. Initiation Initiation, da geht es um die Frage: Von wem geht das Personal Project aus? War es deine eigene Idee, oder hat es dir jemand auf’s Auge gedrückt? Die Sache ist ziemlich klar, wie ihr euch denken könnt: Projekte, die wir hassen, kommen in der Regel nicht von uns selbst. Wir hassen meistens jene Projekte, die wir uns nicht selbst ausgesucht haben, die wir nicht selbst gewählt haben und wo uns niemand gefragt hat, ob wir die überhaupt wollen.  Prüf das mal für dich, ob das auch bei dir zutrifft: Denk an ein Projekt, das du hasst. War es deine Idee, oder kam das Projekt von jemand anderem?  2. Manageability Manageability meint die Frage, wie wir unsere Fähigkeit einschätzen, ein Personal Project zu bewältigen. Anders formuliert: Wie hoch schätzen wir die Erfolgs-Chancen für ein Personal Project ein? Halten wir es für wahrscheinlich, dass wir mit einem Projekt tatsächlich das erreichen, was wir uns vorgenommen haben? Oder schätzen wir dafür die Chancen eher finster ein?  Auch bei diesem Kriterium ist der Zusammenhang ziemlich klar: Wir hassen Projekte, bei denen wir die manageability als gering einschätzen. Mit anderen Worten: Wir hassen Projekte tendenziell dann, die uns diese Projekte überfordern. Wenn sie über unsere Kenntnisse, über unsere Fähigkeiten oder auch über unsere geistigen und körperlichen Leistungsgrenzen hinaus gehen. Und besonders dann, wenn diese Überforderung nicht nur ein kurzfristiges Phänomen ist, sondern sich über einen langen Zeitraum hinzieht - und ganz besonders schlimm ist es dann, wenn wir auch keinen Silberstreif am Horizont erkennen, wenn wir nicht das Gefühl haben, dass wir in absehbarer Zeit dieses Projekt besser handeln können werden.  Damit wäre also der zweite Puzzlestein zum Bild hinzugefügt: Wir hassen Personal Projects tendenziell dann, wenn sie nicht von uns selbst kommen und wenn sie uns über einen längeren Zeitraum oder auch dauerhaft überfordern.  3. Control Beim Faktor Control geht es um die Frage: Wie sehr liegt der Erfolg dieses Projektes überhaupt in unserem Einflussbereich? Können wir eigentlich selber etwas tun, oder sind wir in Wirklichkeit von anderen abhängig? Mit anderen Worten: Gibt es Menschen oder Gruppen oder Institutionen, die deine ganze Arbeit in dem Projekt mit einem Schlag zunichte machen können oder die Entscheidungen treffen können, die von einem Tag auf den anderen die Welt für dich komplett auf den Kopf stellen? Bist du in diesem Projekt also der Macht - oder im schlimmsten Fall der Willkür - bestimmter Menschen oder Gruppen oder staatlicher Institutionen oder Regierungen oder was auch immer ausgeliefert, oder nicht?  Auch hier ist der Zusammenhang, denke ich, ziemlich leicht zu durchschauen: Wenn wir das Gefühl haben, bei einem Personal Project nicht „in control” zu sein, das heißt, dass andere Menschen in diese Projekte hineinpfuschen können und wir dem weitgehend ausgeliefert sind… dann werden wir an diesen Projekten keine Freude haben. Und je stärker der Grad ist, in dem wir Nicht-Kontrolle empfinden, desto mehr werden wir dieses Projekt hassen.  Und wenn wir jetzt den dritten Puzzlestein zum Bild hinzufügen, dann sehen wir Folgendes: Wir hassen Personal Projects tendenziell dann, wenn sie nicht von uns selbst kommen, wenn sie uns uns über einen längeren Zeitraum oder auch dauerhaft überfordern - und wenn von außen jemand kommen kann und die Spielregeln in diesem Projekt von einen  Tag auf den anderen völlig auf den Kopf stellen kann.  Ein aktuelles Beispiel Zum Abschluss vielleicht noch ein Beispiel dazu, weil’s gerade gut passt: Stell dir folgendes Projekt vor: Du wirst von jemandem, sagen wir einer Regierung, von einem Tag auf den anderen verdonnert, zu Hause in deinen eigenen vier Wänden zu bleiben. Also initiation nicht von dir selbst.  Zu Hause musst du dann gleichzeitig Home Office machen und dich um die Betreuung deiner beiden Kinder kümmern, weil die Kindergärten ja geschlossen sind und die Großeltern nicht aushelfen dürfen. Die manageabilty eines solchen Projekts ist meistens schon kurzfristig, mit Sicherheit aber langfristig sehr, sehr, sagen wir, schwierig.  Und dann stell dir noch vor, dass egal was du tust, egal wie sehr du dich auf den Kopf stellst, du keinerlei Einfluss darauf hast, wann dieses Projekt wieder zu Ende ist. Deine control ist also de facto nicht vorhanden.  Es wäre also kein Wunder, wenn du über die aktuelle Situation sehr unglücklich wärst, um nicht zu sagen, du hasst sie. Wissenschaftlich ließe sich das hervorragend belegen.  Bleib gesund!

    9 min
  5. EPISODE 5

    S09E05: Selbst-initiierte Trennungsprojekte (#91)

    Worum geht’s in dieser Folge?  Es geht um Trennungsprojekte, also um Personal Projects, wo wir uns von etwas trennen. Das kann ein Job sein, ganz allgemein ein Personal Project, aber auch ein Lebenspartner, ein Freund oder sonst irgendetwas oder irgendjemand in unserem Leben.Und da diese Trennungsprojekte sehr oft für uns emotional sehr belastend sind, weil wir uns mit Trennungen in der Regel sehr schwer tun, zähle ich diese Trennungsprojekte zu unseren dunklen und düsteren Projekten, um die es ja ni dieser Staffel von [Projekt: Leben] geht.Wenn wir von Trennungsprojekten reden, dann ist es ganz am Anfang wichtig zu unterscheiden, von wem die Trennung denn eigentlich ausgeht.  Zum einen sind da Trennungen, wie WIR SELBST vollziehen, die wir selbst einleiten - oder, wissenschaftlicher ausgedrückt: Trennungen, die selbst-initiiert sind. Um diese Projekte geht es in dieser Folge des Podcasts. Dann sind da aber natürlich auch noch Trennungen, die nicht von uns selbst ausgehen, die wir uns nicht ausgesucht haben, mit denen wir mitunter überhaupt nicht gerechnet haben und die von anderen Menschen eingeleitet wurden. Das heißt, das sind fremd-initiierte Trennungsprojekte, und um diese wird es in der nächsten Podcast-Folge gehen. Okay, jetzt soll es aber mal um die selbst-initiierten Trennungsprojekte gehen, also um jene Projekte, wo wir selbst beschließen, dass wir uns von etwas oder jemand trennen wollen.  Die Kardinalfrage bei dieser ganzen Sache lautet ja: Wie soll ich wissen, ob es eine gute Idee ist, so ein Trennungsprojekt zu starten? Oder soll ich nicht doch lieber bei dem bleiben, was ich habe - zwar nicht ideal, aber wer weiß, was nachkommt? Und selbst wenn ich einigermaßen sicher glaube, dass es eine gute Idee ist, bleibt immer noch die Frage: Ist es JETZT eine gute Idee, oder soll ich lieber nicht doch noch ein bisschen zuwarten?  Um genau dieses Dilemma zu lösen oder zumindest ein bisschen eine Entscheidungshilfe zu bieten, gibt es die bekannte Formel:  Love it change it or leave it Ich möchte mir in dieser Folge diese Formel etwas genauer ansehen und ein paar aus meiner Sicht sehr wichtige Hinweise für den Umgang mit dieser Formel geben. Ich halte dieses „Love it, change it, or leave it” grundsätzlich für sehr brauchbar, um zu einer Entscheidung zu kommen - aber nur, wenn man ein paar wichtige Dinge dazu sagt.   Love it Und das fängt schon mit dem ersten Punkt an: Love it. Ich glaube, dass mit diesem Punkt einige Missverständnisse mitschwingen, die es wert sind, genauer hinzusehen.   Zum ersten ist da mal die Frage: Was ist mit „love it” überhaupt gemeint? Ich glaube, wir Deutschsprachige müssen da ein bisschen aufpassen: Wenn ein Englischsprachiger sagt „I love this!”, oder „I’m lovin' it”, dann ist das nicht die Liebe, wie wir es in Deutsch meinen. „Love it” bedeutet also nicht, dass du ein Projekt oder eine Beziehung zu jedem Zeitpunkt wirklich lieben musst. „Love it” glaube ich lässt sich gut übersetzen mit „gefällt mir”. Ein Projekt, das wir „lieben”, ist also aus meiner Sicht eines, das uns alles in allem, die meiste Zeit über gefällt. Das bedeutet nicht, dass dieses Projekt immer perfekt sein muss, und das bedeutet auch nicht, dass wir in Momenten, wo ein Projekt mal nicht ideal läuft, gleich die Flinte ins Korn werfen sollen.  Von Joan Armatrading gibt es ein Lied das heißt „More than one kind of love”. Und ich glaube, das ist auch ein gutes Motto, wenn wir uns überlegen, ob dieses „love it” auf etwas zutrifft, von dem wir uns potenziell trennen wollen. „More than one kind of love” kann auch bedeuten, dass etwas zwar nicht perfekt ist, aber immerhin gut genug. Ich glaube, wir neigen häufig dazu, unzufrieden zu werden, wenn ein Projekt oder eine Beziehung „nur” gut genug und nicht (oder nicht mehr) perfekt ist. „More than one kind of love” kann aber auch bedeuten, dass etwas zwar im Moment alles andere als super ist, aber wir das Potenzial sehen, dass sich in Zukunft etwas verbessert, wenn wir jetzt dran bleiben. Oder es kann auch bedeuten, dass wir ein Projekt wirklich nicht lieben, aber wir trotzdem Sinn in diesem Projekt sehen, dass wir uns dadurch nützlich und gebraucht fühlen und dass wir deswegen dran bleiben möchten.   Also, mein Tipp: Bevor du die Frage für dich beantwortest, ob du ein Projekt „liebst” oder nicht, denk daran, dass es viele Arten von Liebe für ein Projekt oder eine Beziehung oder einen Menschen geben kann und dass etwas nicht perfekt sein muss, um liebenswert zu sein.   Change it Auch da finde ich es wert, einen Moment innezuhalten und diesen Punkt genauer anzusehen. Wenn wir drauf gekommen sind, dass „love it” aus welchem Grund auch immer nicht funktioniert, dann stellt sich also die Frage: Kann ich irgendetwas verändern, damit irgendeine Art von Liebe wieder zurückkehrt?  Und da sagt meine Erfahrung - die eigene Erfahrung und die Erfahrung mit Trennunsprojekten anderer Menschen - dass wir da mitunter ziemlich schnell drübergehen. Wenn du also so ein Trennunsprojekt startest und zu dem Punkt „change it” kommst, dann frag dich: Habe ich wirklich versucht, was zu verändern? Nämlich WIRKLICH? Also hast du die unangenehmen Gespräche geführt, die notwendig gewesen wären, um wirklich was zu verändern? Hast du die schwierigen Entscheidungen wirklich getroffen? Hast du darüber gesprochen, was dir wichtig wäre, was dich stört, was dich unglücklich macht? Hast du dem Projekt wirklich eine ehrliche Chance gegeben, sich zu verbessern?  Ich glaube, wir machen uns die Sache manchmal ein bisschen zu leicht wenn wir sagen: „Ach was, da kann man eh nichts mehr machen. Ich habe eh schon alles versucht.” Wenn du ehrlich für dich sagen kannst, dass du wirklich alles versucht hast, was dir einfällt, um die Situation zu verbessern, dann: Respekt. Aber wenn du auch nur den Funken eines Zweifels daran hast, dann lohnt es wahrscheinlich, diesen einen Versuch noch zu starten - nicht halbherzig, sondern aus vollem Herzen, um dir und dem Projekt gegenüber ehrlich zu sein und zu bleiben.   Leave it  Wenn in dem Projekt wirklich Hopfen und Malz verloren ist, dann wird es Zeit, sich davon zu trennen. Projekte wieder loslassen zu können ist mindestens genauso wichtig, wie Projekte zu starten. Überhaupt finde ich, dass die Art und Weise, wie jemand Projekte oder Beziehungen beendet, viel über diesen Menschen aussagt. Projekte mit Takt und Gefühl und einer gewissen Seriosität zu beenden, ist eine Kunst für sich. Zu einem gelungenen „leave it” möchte ich ein paar Hinweise gehen, die vielleicht beim Gelingen helfen können:  Ganz am Anfang steht, dass du dir selbst die Erlaubnis geben solltest, ein Trennungsprojekt auch durchzuziehen, wenn es anstrengend und mühsam und vielleicht auch schmerzhaft ist, wenn es aber für dich die richtige Entscheidung ist. Das Leben ist kein Ponyhof, und das gilt ganz besonders auch für Trennungsprojekte, die ganz besonders unangenehm sein können. Aber aus Angst davor in Projekten zu bleiben, die dir nicht gut tun, ist auch keine Lösung. Dokumentieren. Mir hilft es immer sehr gut, wenn ich mir die Gründe aufschreibe, die dazu geführt haben, dass ich mich von etwas trennen will. Ich schreibe mir genau auf, warum ich diese Entscheidung getroffen habe. Das ist nämlich in den Momenten sinnvoll, wenn ich ins Zweifeln komme, ob die Trennung wirklich so eine gute Idee war - und diese Momente ...

    16 min
  6. EPISODE 6

    S09E06: Fremd-initiierte Trennungsprojekte (#92)

    Worum geht's? Diesmal geht es um die vielleicht härtesten Personal Projects in unserem Leben, jedenfalls zählen sie definitiv zu den dunkelsten und düstersten Projekten: Ich spreche von fremd-initiierten Trennungsprojekten, also Projekte, in denen wir mit Trennung, Verlust und Loslassen kämpfen, die wir und NICHT selbst ausgesucht haben.  Um Trennungsprojekte, die wir selbst ins Leben rufen, ist es in der letzten Folge gegangen, wenn du die noch nicht gehört haben solltest.  In fremd-initiierten Trennungsprojekten trennen uns also von etwas, von dem wir uns eigentlich gar nicht trennen wollen. Wir wollen nicht oder noch nicht los lassen. Oder wir sind überhaupt vollkommen überrascht, dass ein wichtiger Teil unsere Lebens plötzlich nicht mehr da sein soll.  Beispiele Krankheiten - Krankheiten sind unter anderem deswegen (auch) Trennungsprojekte, weil wir uns trennen von unserer Gesundheit, unserem gewohnten Leben, unserer Unabhängigkeit und unserer Lebendigkeit. Jobverlust  - Wenn wir einen Job verlieren, wenn wir gekündigt oder entlassen werden, trennen wir uns nicht nur von einer Einkommensquelle. Das allein ist oft schon schmerzlich, aber meistens noch viel schwerer wiegt der Verlust von etwas, das uns Status und Sinn und eine Aufgabe im Leben gegeben hat. Unsere Berufe, unsere Arbeitsplätze sind viel mehr als nur Tätigkeiten, die unser Leben finanzieren, und sie sind uns alles andere als egal. Zu dem Thema habe ich in Staffel 3, Folge 2 eine ganze Folge aufgenommen unter dem Titel „Warum ist uns der Job nicht viel mehr egal?" Der Tod von geliebten Menschen - Das ultimative Trennungsprojekt, weil es definitiv und endgültig und ohne Widerruf ist. Wir müssen uns ein für alle Mal von einem wichtigen Menschen trennen, die oder der eine tragende Rolle in unserem Leben gespielt hat. Häufig ein ganz, ganz düsteres Projekt. Enttäuschung - Jede Enttäuschung, die großen, aber auch die kleinen, sind im Grunde jede für sich ein Trennungsprojekt. Wir trennen uns nämlich gezwungenermaßen von unseren Personal Constructs, also von unseren tiefsten Überzeugungen, von denen wir fest glaubten, sie wären wahr und unumstößlich. Nun kommen wir drauf, dass wir uns grundlegend geirrt haben, und damit ist mit einem Mal unsere ganze Weltsicht in Frage gestellt. Was stimmt jetzt überhaupt noch? Worauf können wir uns überhaupt noch verlassen? Je größer die Enttäuschung, desto dunkler das Trennungsprojekt. Verlassen werden - Wenn man von einem Lebenspartner, einer Lebenspartnerin verlassen wird, wenn eine Ehe ungewollt geschieden wird, dann ist das oft wie ein kleiner Tod - häufig auch noch verbunden mit Enttäuschungen. Da kommt dann Einiges zusammen, und für ganz viele Menschen sind diese Projekte sehr schwer zu handeln - über Jahre.  Warum wir uns so schwer tun Aus dem Blickwinkel der Personal Projects Theorie könnte man außerdem sagen, und da greife ich jetzt auf die vorletzte Podcast-Folge zurück: Fremd-initiierte Trennungsprojekte sind ganz typische Projekte, die wir hassen. Warum ist das so?  initiation: Wie der Name schon sagt, gehen fremd-initiierte Projekte von anderen Menschen aus - oder auch vom Schicksal, von höherer Gewalt, jedenfalls nicht von uns selbst. Das macht sie schon mal schwer erträglich. manageability: Bei der manageability geht es ja um die Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass du dieses Projekt zum Erfolg bringst? Und da stellt sich schon mal die Frage: Was ist in diesem Zusammenhang, im Fall einer Krankheit oder einer Enttäuschung oder im Fall des Verlusts eines geliebten Menschen überhaupt ein „Erfolg"? Was ein „Erfolg” in diesem Zusammenhang ist, muss ja erst völlig neu definiert werden. Das heißt, das Selbstmanagement in uns muss sich völlig neu ausrichten, sich erst mal wieder richtig finden. Aber, und das ist schon auch gut zu wissen: Wenn wir uns wieder ein bisschen gefasst haben und wenn wir dann im Laufe der Zeit uns sogar wieder Ziele für unser Trennungsprojekt setzen können, dann wird manageability wieder möglich. Deswegen kommen meist, nach einer sehr schwierigen Phase am Anfang, dann auch viele Menschen z.B. mit schweren Krankheiten irgendwie zurecht und „machen das Beste draus”. control: Control meint die Frage, wie viel Einfluss man auf die ganze Situation hat. Und bei Trennungsprojekten ist control meist wenig bis überhaupt nicht gegeben. Die Trennung bricht auf einen oft herein wie ein Gewitter. Und selbst dann, wenn wir in gewisser Weise vorbereitet waren (z.B. beim Tod von einem Menschen, der zuvor schwer krank war), haben wir doch keinen Einfluss auf den genauen Zeitpunkt. Deswegen treffen uns selbst diese Trennungen hart, wenn auch vielleicht weniger wuchtig wie völlig unvorhergesehene Trennungen. Trennungsprojekte sind auch deswegen so dunkle und düstere Projekte, weil sie viel mit Trauer und Trauerarbeit zu tun haben. Zu trauern, das ist den meisten von uns unangenehm, und oft wissen wir gar nicht, wie „richtiges” Trauern überhaupt geht.  Ich bin bei Gott kein Experte für Trauer und Trauerarbeit, eher im Gegenteil. Aber mir kommt vor, dass die allermeisten von uns den Schmerz und die Trauer in unserem Leben so weit wie nur irgendwie möglich vermeiden wollen - und dass wir dabei mitunter zu weit gehen. Was meine ich damit?   Ich glaube, dass viele Trennungsprojekte, von denen wir überrascht sind, trotzdem nicht ganz unvorhersehbar waren. Nur: Wir wollen oft die Zeichen nicht wahrnehmen. Nicht selten kündigen sich Trennungsprojekte heimlich, still und leise lange vor der eigentlichen Trennung schon an und gehen nicht von heute auf morgen - auch wenn uns das oft so vorkommt. Aber wir sehen halt nur, was wir sehen wollen - und vor Enttäuschung, Krankheit und Verlust verschließen wir oft die Augen - so lange, bis wir beim besten Willen nicht mehr wegsehen können.  Ich habe mir überlegt, ob ich jetzt an das Ende dieser Folge noch etwas Aufheiterndes oder Tröstliches setzen soll. Die Folge ist ja nicht gerade erbaulich bis jetzt gewesen. Aber nein, das mache ich nicht. Fremd-initiierte Trennungsprojekte sind und bleiben sehr dunkle und düstere Projekte, auch wenn sie natürlich vorüber gehen und früher oder später wieder durch erfreulichere Personal Projects abgelöst werden. Aber diese Trennungsprojekte sind ein essenzieller Teil unseres Lebens, sie haben ihren Platz und ihre Zeit in unserem Leben - ob wir das wollen oder nicht -, und deswegen sollen sie auch ihren Platz in diesem Podcast haben: So wie sie sind, dunkel und düster, ohne gleich wieder von ihnen abzulenken.

    11 min
  7. EPISODE 7

    S09E07: Hilflosigkeit (#93)

    Worum geht's in dieser Folge? In unserer Staffel über dunkle und düstere Projekte geht es diesmal um Personal Projects, bei denen wir uns machtlos fühlen, fast wie ohnmächtig. Ohne die Macht, etwas zu verändern, zum Zuschauen gezwungen. Wie kommt es zu dieser Hilflosigkeit? Darum soll es in dieser Folge gehen. Wenn wir uns als Personal Project Manager sehen, also die Manager unserer Personal Projects, dann fühlen uns mitunter in zweifacher Hinsicht hilflos: 1. Hilflosigkeit in der "manageability" Manageability: Traue ich mir zu, ein Personal Project zum Erfolg zu bringen?Manche Personal Project sind einfach überwältigend, weil wir sie für nicht managebar halten. Wir haben keine Ahnung, wie wir das schaffen sollen. Wir wissen oft gar nicht, wo wir überhaupt anfangen sollen, so überwältigend sind diese Projekte. Wir fragen uns: Wie soll ich das nur schaffen?Wichtig ist hier der Unterschied zwischen „herausgefordert sein“ und Hilflosigkeit: Hilflosigkeit entsteht, wenn wir nicht nur ein bisschen aus unserer Komfortzone herausgeholt werden, sondern wenn wir so überfordert sind, dass wir in eine Art Schockstarre verfallen, wo wir resignieren, weil das Projekt so überwältigend anspruchsvoll auf uns wirkt. Was können wir in diesem Fall gegen unsere empfundene Hilflosigkeit tun? Kurz gesagt: Wir müssen das Gefühl der Überforderung reduzieren. Und das lässt sich z.B. durch folgende Maßnahmen erreichen:Sich helfen lassen (von Menschen, die mehr manageability haben = Menschen, die sich mit solchen Projekten auskennen = „Experten“, „Profis“)Lernen, Kompetenzen erweitern; versuchen, selbst ein bisschen zum Profi zu werden. Projekt in kleinere Einheiten zerlegen, die für sich leichter zu managen sind. Wachsen mit den Aufgaben = lohnenswerte Herangehensweise für Personal Project Manager.Aber: Bei Überforderung rechtzeitig Hilfe holen. Auch wir Personal Project Manager brauchen nicht alles allein lösen.2. Hilflosigkeit in der "control" Ganz andere Form der Hilflosigkeit. Diese Hilflosigkeit drückt sich so aus: Egal, was du machst, es bringt nichts. Es hat keinen vorhersehbaren Einfluss auf das Ergebnis. Und wenn du dich auf den Kopf stellst und im Quadrat springst… es nützt nichts. Bei einem Projekt, wo du ganz wenig control hast, bist du sehr stark abhängig von anderen Menschen, von den Umständen, vom Schicksal, vom Glück oder was auch immer. Jedenfalls hast DU kaum Einfluss auf die Projektergebnisse und empfindest eine Art Willkür. Es ist wie bei der Geschichte von Sisyphos: Du rollst den Stein rauf, aber dann kommt irgendwas daher und lässt den Stein wieder runter rollen. Die Götter wollen es so, du bist dagegen machtlos.Beispiel: Geliebter Mensch ist krank. Egal, was du tust, die Gesundheit oder Genesung dieses Menschen liegt nicht in deinen Händen, ist nicht in deiner control. Du kannst natürlich ein bisschen was dazu beitragen, dass es dem Kranken unter den Umständen ein bisschen besser geht, aber was seine Gesundheit betrifft, kannst du nur zuschauen und hoffen und beten. Du selbst kannst da nichts ausrichten. Dieses „hilflos zusehen müssen“ ist gerade für Personal Project Manager nur sehr, sehr schwer zu ertragen. Projekte, in denen wir wenig control empfinden, das können ganz, ganz dunkle Projekte in unserem Leben sein. Erlernte Hilflosigkeit Inwieweit wir nämlich das Gefühl haben, dass wir in einem bestimmten Personal Project etwas ausrichten können oder nicht, das haben wir gelernt. Ja, wir haben gelernt, in welchen Situationen wir uns hilflos fühlen und wann nicht.Die Idee der erlernten Hilflosigkeit kommt von Martin Seligman, der daran in den 1960er-Jahren geforscht hat.Wenn wir sagen: „Da kann man halt nichts machen“... Wann das für uns gilt, haben wir als Kinder gelernt -  von unseren Eltern oder anderen wichtigen Bezugspersonen. Wir übernehmen sozusagen die Hilflosigkeiten und die Ohnmacht unserer Eltern als unsere eigene.Das Problem dabei ist natürlich: Wenn wir erwachsen werden, hinterfragen wir diese erlernte Hilflosigkeit nicht mehr. Wir glauben weiterhin das, was wir einmal erlernt haben. Und wir glauben das wirklich, das ist keine Ausrede und kein Vorwand. Es hilft also, bei einem Gefühl der Ohnmacht und der Hilflosigkeit bewusst innezuhalten und zu hinterfragen: Stimmt es tatsächlich noch, stimmt es überhaupt, dass ich da gar nichts tun kann? Bin ich wirklich zur Untätigkeit gezwungen? Gibt es wirklich nichts, das ich ausrichten kann?Es gibt genug Projekte, in denen wir wirklich nichts ausrichten können. Aber mitunter kommt es auch vor, dass es zwar gestimmt hat, dass wir als Kind nichts ausrichten konnten, aber die Zeit unserer Kindheit ist längst vorbei. Heute sind wir Erwachsene, heute leben wir im Jahr 2020, und da können wir uns fragen: Stimmt es immer noch, dass ich in diesem Projekt, in dieser Situation hilflos bin?Wie gesagt: Es gibt genug Situationen, in denen wir beim besten Willen nichts ausrichten können, aber manchmal sitzen wir bei einem genaueren Blick einer erlernten Hilflosigkeit auf, von der wir uns gerne verabschieden können. Und darauf sollten wir Personal Project Manager immer einen Blick haben.

    12 min
  8. EPISODE 8

    S09E08: Der eigene Tod (#94)

    Worum geht's in dieser Folge? In unserer Staffel über dunkle und düstere Projekte sind wir vielleicht beim düstersten Projekt überhaupt angekommen, nämlich bei unserem eigenen Tod. Ja, ich behaupte, auch unser Tod ist ein Personal Project, und düster ist es allein schon deswegen, weil wir so gut wie nie darüber reden. Oder wann hast du zuletzt mit jemandem über deinen Tod gesprochen? Wir mögen da auch nicht so gern daran denken, weil wir nicht wissen, was uns da erwarten wird, weil uns das Angst macht und weil wir sowieso und überhaupt noch ganz jung sind und so viel zu tun haben und wir uns auf diese Weise immer wieder vorgaukeln, dass der Tod ausgerechnet uns nicht betreffen würde. Das ist natürlich Unsinn, so schmerzvoll es auch sein mag, daran zu denken. Ich möchte in dieser Folge aber mal den Finger in die Wunde legen und sagen: Wir werden alle sterben, und ich bin der Meinung, dass es besser ist, sich lieber früher als später damit auseinander zu setzen. Ich will aber jetzt keine Folge aufnehmen nach dem Motto: Wie wir uns am besten mit dem Tod konfrontieren können und wie wir lernen, mit ihm umzugehen und all das, was in so Büchern steht wie „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen”. Nicht, dass das nicht sinnvoll wäre, aber ich mache ja einen Podcast über Personal Projects, also will ich mich dem Thema auch aus der Sicht eines Personal Project Managers nähernWas ich nämlich spannend an dem Personal Project „Eigener Tod” finde - und ich hoffe, das klingt jetzt nicht zu makaber -, ist, dass das ein extrem gutes weil extrem radikales Beispiel dafür ist, wie eng miteinander verwoben unsere eigenen Personal Projects mit den Personal Projects anderer Menschen sind. Es ist ein richtiges Spinnennetz an Personal Projects, das wir im Laufe unseres Lebens weben und wo unser Spinnennetz ganz eng verknüpft ist mit den Spinnennetzen anderer Menschen.  Jetzt könnte man nämlich her gehen und sagen: „Geh bitte, Günter, was kümmert mich mein eigener Tod und alles, was danach ist? Das werde ich nicht mehr erleben, da kann ich dann sowieso nix mehr machen.” Und das hat ja auch was für sich, aber es ist halt auch ein bisschen zu kurz gedacht. Weil nämlich: Nur weil du stirbst, stirbt nicht das Personal Project. Mit anderen Worten: Personal Projects bestehen in gewisser Weise unabhängig von uns. Wenn wir sterben, bleibt das Projekt unseres Todes bestehen, aber jetzt müssen sich eben andere darum kümmern.  Wenn wir also sagen, unser eigener Tod betrifft uns nicht, dann stimmt das zwar, aber wir haben trotzdem zu Lebzeiten Verantwortung für das Personal Project, um das sich nach unserem Tod nämlich unsere Hinterbliebenen, unserer Familie, unsere Ehepartner, unsere Kinder kümmern müssen. Und wenn wir die Arbeit in diesem Projekt nicht erledigen, dann müssen die das tun. Und da ist halt die Frage: Will ich das? Will ich den kompletten Workload des Projekts meines eigenen Todes meinen Nachfahren überlassen? Kann ich machen, aber ich find’s ehrlich gesagt keine gute Idee und auch nicht das, was ich mir unter einem verantwortungsvollen Personal Project Management vorstelle. Na gut, was bedeutet es denn jetzt konkret, Verantwortung für das Personal Project seines eigenen Todes zu übernehmen? Aus meiner Sicht bedeutet das, dieses ganze Projekt-Packerl so leicht wie möglich für deine Nachfahren zu machen - denn dieses Projekt ist eines, das du garantiert übergeben werden musst. Und dabei geht es vor allem um die Dinge, auf die du zu Lebzeiten schon Einfluss nehmen kannst. Natürlich weißt du nicht, wann und unter welchen Umständen du sterben wirst. Aber es ist ziemlich sicher, dass du ein Begräbnis brauchen wirst. Also kannst du heute schon daran arbeiten, wie dein Begräbnis aussehen soll, wie du bestattet werden willst, wer wie von deinem Ableben verständigt werden soll und so weiter. Wenn du Familie hast, wäre es auch sehr verantwortungsvoll, wenn du ein Testament hinterlässt, wo du genau geregelt hast, wie dein Erbe aussehen und verteilt werden soll. Und die ultimative Verantwortung übernimmst du dann, wenn du dieses Testament nicht nur im Stillen für dich hinschreibst, sondern es zu Lebzeiten schon mit allen besprichst, die es betrifft. Damit kannst du eventuell schon Unstimmigkeiten und größere und kleinere Probleme rechtzeitig ausräumen. Oder hast du dir Gedanken darüber gemacht, was mit deinem „digitalen Erbe” geschehen soll? Deinen Social Media Accounts? In meinem Fall: Dieser Podcast oder meine Websites? Was soll damit sein, wenn du nicht mehr lebst? Wer soll sich darum kümmern - und wie? Natürlich sind das alles keine angenehmen Fragen. Natürlich ist es kein lustiges Projekt, sich solche konkreten Gedanken über seinen eigenen Tod zu machen. Deshalb ist es ja ein dunkles und düsteres Projekt. Aber nochmals: Nur, weil du nicht darüber nachdenken willst, geht das Projekt nicht weg. Du kannst das Projekt zwar ignorieren, aber es bleibt da. Und wenn du dich nicht drum kümmerst, dann werden es deine Nachfahren machen müssen - noch zusätzlich zur Trauerarbeit, die sie ohnehin leisten werden.  Wenn das für dich okay so ist, dann ist das natürlich in Ordnung. Aber ich persönlich bin der Meinung, dass ich dieses Projekt so leicht wie nur irgendwie möglich für meine Nachfahren machen möchte. Was kann das konkret bedeuten, also in meinem Fall? Ich schreibe gerade mein Testament, wo es nicht nur darum geht, wer meine Sachen bekommen soll, sondern auch um so schwierige Sachen wie die Obsorge für die Kinder.Ich habe mit meiner Frau über alle Passwörter, Bankkonten, Versicherungen etc. gesprochen. Es gibt ein Dokument, wo diese Informationen immer aktuell gehalten werden und womit sie sich darauf verlassen kann, dass sie alle Informationen haben wird, die sie braucht, auch wenn ich nicht mehr ansprechbar bin.Ich lege genau fest, wie ich bestattet werden will und wie mein Begräbnis aussehen soll. Bis hin zur Musik, die gespielt werden soll.Ich mache mir Gedanken darüber, was ich meinen Kindern hinterlassen will, und zwar nicht nur finanziell, sondern auch an emotionalen Dingen von mir.Und so weiter.  Mag sein, dass das vielleicht für den einen oder die andere da draußen befremdlich oder makaber klingt. Ganz ehrlich: Für mich ist das auch kein lustiges Projekt. Es macht mir keinen Spaß, über Ablebensversicherungen zu recherchieren oder mir anzuschauen, was ein Holzsarg kostet. Aber es bleibt trotzdem MEIN Personal Project, für das ich Verantwortung habe - ob mir das nun gefällt oder nicht. Und ich weiß, dass mir meine Familie dafür einmal sehr dankbar sein wird.  Und ich lade dich sehr herzlich dazu ein, ebenso Verantwortung für das Projekt deines eigenen Todes zu übernehmen und im Diesseits schon das zu regeln, wozu du im Jenseits keine Gelegenheit mehr haben wirst.

    12 min

About

[Projekt: Leben] - Der Podcast für alle, die noch was vor haben im Leben. Hier lernst du, deine "Personal Projects" clever zu managen, sodass du all die Dinge verwirklichen kannst, die dir wirklich wichtig sind - und damit zu einem erfüllten Leben findest. Von und mit: Günter Schmatzberger // www.schmatzberger.com